10 Punkte aus der Geschichte der Psychologischen Diagnostik

  1. Im alten China gab es landesweit durchgeführte Selektionsprogramme für Bewerber auf höhere Posten, die sich in einem schriftlichen Teil (Recht, Geographie, Literatur…) und einem Handlungsteil (Reiten, Musizieren, Bogenschießen) bewähren mussten. Die Kandidaten wurden von zwei unabhängigen Beurteilern bewertet. Das Verfahren wurde im 19. Jahrhundert von den Engländern für die Auswahl von Mitarbeitern für die East India Company übernommen
  2. Plato hatte sich schon Gedanken gemacht über Persönlichkeitsdifferenzen zwischen den Menschen. Er folgerte, dass sich bestimmte Berufe nur für Menschen mit spezifischen Eigenschaften eignen. Als diagnostisches Verfahren empfahl er dabei die Beobachtung in kritischen Situationen. (Das erinnert doch an Assessment Center!)
  3. Auch Charles Darwin beeinflusste die Diagnostik mit seiner Evolutionstheorie. Denn er stellte heraus, dass die Selektion nur an den interindividuellen Differenzen ansetzen kann.
  4. Francis Galtonm, ein Verwandter Darwins, begann als erster mit der Erforschung von systematischen Unterschieden zwischen Menschen. Galton ging davon aus, dass Intelligenz zu einem hohen Anteil vererbt ist. Als erster klassifiezierte er die Intelligenz anhand der Normalverteilung. Allerdings benutzte er sehr elementare Maße zur Messung der Intelligenz.
  5. Das Wort „mental test“ wurde ursprünglich von James McKeen Cattell eingeführt. Cattel testete Reaktionszeiten auf ein Geräusch hin, Größenbeurteilungen, simple Reproduktion von Buchstaben nach einmaligem hören usw. Allerdings erwiesen sich diese Tests als nicht zuverlässig.
  6. Im Jahr 1905 stellte Binet einen Intelligenztest vor, der die Schüler trennen sollte. Langsam lernende Schüler sollten in die Sonderschule kommen. Das französische Ministerium hatte die Vorgabe gegeben, nur die sehr gering leistungsfähigen auszusortieren, nicht aber die schwierigen Schüler, die viele Lehrer gerne abgegeben hätten. Binet verzichtete in seinem Test auf einfache sensorische Aufgaben und nahm stattdessen komplexere Aufgaben wie Rechnen, Beurteilungen oder Schlussfolgern im Test auf. Binet verglich bei den Schülern zwei Größen: das Lebensalter und das Intelligenzalter.
  7. William Stern ersann den Intelligenzquotienten, indem er Intelligenzalter und Lebensalter zueinander ins Verhältnis setzte. Der Quotient wurde anschließend mit 100 multipliziert. Somit konnte der IQ als altersunabhängiges Maß verwendet werden.
  8. Lewis Terman führte die Arbeit Binets weiter, erweiterte den Test, so dass auch Erwachsene geprüft werden konnten. In einer revidierten Form existiert der Test bis heute als Stanford-Binet-Test.
  9. David Wechsler schlug den Abweichungs-IQ vor. Das heißt, dass der IQ-Wert relativ zu einem Mittelwert von 100 und einer Standardabweichung von 15 beurteilt wird. Durch den IQ-Wert nach Wechsler wird als die Position einer Testperson innerhalb der Verteilung einer Referenzpopulation bestimmt. Dieses Vorgehen wird bis heute angewandt. Der Begriff IQ ist geblieben, obwohl er urspürnglich etwas Anderes bedeutete.
  10. Robert Woodworth erstellte den Personal Data Sheet. Das ist der erste ausgearbeitete Persönlichkeitstest in Fragebogenform und wurde zur Testung von amerikanischen Soldaten während des ersten Weltkrieges angewandt.
Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Diagnostik, Geschichte der Psychologie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s