Unterbewusste Konditionierung

In der Studie „Subliminal Conditioning of Attitudes” von Krosnick geht es um das subliminale Konditionieren von Einstellungen. Subliminal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Beeinflussung den Testpersonen nicht bewusst war.

Wer den Film „Fight Club“ gesehen hat und sich an die Szene erinnern kann, in der Tyler Durden Bilderschnipsel in bestehendes Filmmaterial einfügte, wird direkt wissen um was es ungefähr geht. Um es vorweg zu nehmen: Die Studie lieferte keine so klaren Ergebnisse. Immerhin, es zeigte sich, dass Einstellungen entstehen können, ohne dass es den Personen bewusst war. Mit Einstellung ist hier die positive oder negative Bewertung eines Objekts, einer Person etc. gemeint.

Es ging grobgesagt um zwei Fragen:

Können Einstellungen ohne kognitive Prozesse erzeugt werden? Und wie sieht die kognitive Konsequenz des unterschwelligen Konditionierens aus? Salopp gesagt, also kann ich schon eine Einstellung zu etwas entwickeln, ehe ich darüber nachgedacht habe und welche Folgen hat das?

Im Labor wurden Testpersonen Fotos von Menschen gezeigt. Zeitggleich wurde ein affektauslösender Kurzzeitstimulus präsentiert. Also z.B. Bilder von verliebten Paaren, oder eher Bilder von Vampiren, die eine negative Emotion stimulieren sollten.

Die Wirkung des Stimulus war also unterbewusst. Die Personen füllten anschließen einen Fragebogen aus, in dem ihre Einstellungen bezüglich der ihnen vorgelegten Fotos abgefragt wurde.

In einer zweiten Variante wurden die Einstellungen bezüglich völlig neuer, noch nie vorher gesehener Personenbilder abgefragt, um eine Änderung der Gemütslage als mögliche Erklärungsalternative zu überprüfen. Denn durch die unterschwellig präsentierten Stimuli könnte die Stimmung beeinflusst werden, und die Bewertung hinterher wäre ein Ergebnis der Stimmungsveränderung gewesen. Also eher eine allgemeine, unspezifische Reaktion.

Die zwei Varianten zusammen ergaben also, dass Einstellungen gegenüber ein Objekt durch einen Prozess generiert werden können, bei dem den Personen nicht klar war, dass sie eine Einstellung dazu entwickeln. Es gab signifikante Unterschiede in der Beurteilung der gleichen Fotos abhängig davon, ob ein positiver oder negativer Stiumuls präsentiert wurde. Es ist also möglich eine Person zu mögen oder nicht zu mögen, ohne den korrekten Grund dafür zu kennen.

Allerdings sei hier eine Einschränkung hinzugefügt. Im Schnitt verhält es sich so, dass auf einer Skala von 1-7 die Bewertung der positiven und negativen Stimuli um 1 Punkt auseinander ging. Wenn auch dieser Unterschied nicht zufällig war, sollte man nicht dem Irrtum erliegen, dass sich mithilfe dieser Methode entgegengesetzte Einstellungen ganz einfach herstellen lassen.

Dennoch ist eine kleine Randbemerkung am Ende der Studie sehr interessant. Das Ergebnis der Studie legt nämlich nahe, dass sich Vorurteile somit nicht immer völlig rational durch kognitive Begründungen erklären lassen. Die Studie liefert auch mögliche Gründe, weswegen Logik nicht allen Einstellungen beikommen kann. Denn, wenn ich eine Einstellung irrational bilde, kann ich diese Einstellung nicht einfach mit logischen Argumenten ändern.

Mehr dazu: „Subliminal Conditioning of Attitudes“, Jon A. Krosnick, Andrew L. Betz, Lee J. Jussim and Ann R. Lynn, 1992.

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Eingeordnet unter Sozialpsychologie, Studien

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