Soziale Kompetenzen

In wiefern unterscheidet sich Kompetenz von Intelligenz?

Kompetenz bezeichnet das Potential, erforderliches Verhalten in einer Situation zeigen zu können. Analog dazu ist soziale Kompetenz die Voraussetzung für effektives soziales Verhalten, die eine Person mitbringt. Die Kompetenz ist nicht in allen Bereichen gleich. Sie ist bereichs- und situationsspezifisch und durch Lernprozesse modifizierbar.

Intelligenz ist eher die kognitive Fähigkeit zur Bewältigung vieler, unterschiedlicher Aufgaben. So gesehen ist Intelligenz eine Voraussetzung für den Erwerb von Kompetenzen. Im Vergleich ist die Intelligenz stabiler und stärker genetisch bestimmt.

 Im nächsten Schritt muss man zwischen Potenzial und tatsächlichem Verhalten unterscheiden. Das ist eine Unterscheidung zwischen Kompetenz und Performanz.

Warum ist diese Unterscheidung wichtig?

 Nun, Testresultate können als Indikatoren für das Potenzial einer Person interpretiert werden. Doch der Rückschluss ist nicht zwingend, da es sich nur um gezeigtes Verhalten handelt. Die Performanz wird handlungsorientiert bestimmt, die Kompetenz dagegen merkmalsorientiert.

Ferner kann man handlungsorientierten Modellen (kontextabhängig) und potenzialbasierten Modellen (kontextunabhängig) trennen. Im ersten Fall ist die soziale Kompetenz eines gezeigten Verhaltens situationsabhängig. Im zweiten Fall wird angenommen, dass Merkmale, die kompetentes Verhalten ermöglichen, unabhängig von einer spezifischen Situation vorhanden sind.

Der Bewertungsmaßstab ist kulturabhängig. Die Kulturgebundenheit betrifft nicht nur den Bewertungsmassstab, sondern auch die Einflüsse auf die Ausbildung und Formung sozialer Kompetenzen.

Soziale Intelligenz ist ein multidimensionalen Konstrukt, das schon von Thorndike erwähnt wurde. Theoretische und Operationale Definitionen legen vier bis fünf Fähigkeitsdimensionen nahe: soziales Verständnis, soziale Wahrnehmung, soziales Gedächtnis und soziale Flexibilität und (soziales Wissen). Soweit ist es noch nicht gelungen, das Konstrukt der sozialen Intelligenz durch geeignete statistische Methoden zu untermauern. Es müssten auch noch Nachweise in Sache diskriminanter und prädiktiver Validität geliefert werden.

Emotionale Intelligenz ist relativ neu in der Psychologie. Das einflussreichste Modell ist das „Four-Branch-Ability-Model“ von Mayer und Salovey. Diese enthält 4 Fähigkeitsdimensionen: Emotionswahrnehmung, Emotionsverständnis, Emotionsmanagement und Nutzung von Emotionen für mentale Prozesse.

Praktische Intelligenz ist traditionell der Oberbegriff für praktisch-technische und technisch-konstruktive Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie psychomotorische Koordination. Salopp formuliert meint es das intelligente Bewältigen von Problemen in Alltagssituationen. Man kann es auch einfach mit „Know-How“ übersetzen oder als „tacit Knowledge“. Tacit Knowledge ist das Wissen über erfolgversprechendes Verhalten, das nicht explizit vermittelt wird. und eventuell nur sehr schwer verbalisierbar ist.

Soziale Kompetenz ist der breiteste und zugleich unschärfste Begriff. Neben den reinen Fähigkeitskonzepten umfasst er lesitungsmoderierende Merkmale wie z.B. Altruismus, Verträglichkeit, Self-Monitoring und Variablen aus dem Bereich der Interessen und Einstellungen wie z.B. soziales Engagement. Diese Variablen haben einen direkten Einfluss auf das ausgeübte Verhalten, aber über den Kontext auch einen indirekten!

Greif beschreibt in einem handlungsorientierten Regelkreismodell (Performanz!) die soziale Kompetenz als erfolgreiches Realisieren von Zielen und Plänen in sozialen Interaktionen. Danach hat der Handelnde ein bestimmtes Ziel und nimmt die relevanten Situationsparameter wahr. Die Interaktion mit den Parametern löst ein Verhalten aus, welches die Umwelt modifiziert. Dies kann so lange wiederholt werden, bis das Ziel erreicht ist.

In Kannings Modell der sozialen Kompetenz sind die soz. Wahrnehmung, Verhaltenskontrolle, Durchsetzungsfähigkeit, soz. Orientierung und Kommunikationsfähigkeit die Merkmalsdimensionen. Parallel werden zwei Prozessmodell postuliert: Modell der elaborierten und der automatischen Genese sozial kompetenten Verhaltens.

Ein drittes Modell stammt von Schneider, Ackerman und Kanfer. Es ist ein merkmalsorientiertes (Potenzial!) Modell, wobei Fähigkeits- und Persönlichkeitsmerkmale das Potenzial einer Person bestimmen.

Damit kommen wir zum integrativen Rahmenmodell von Süß, Weis und Seidel. Dieses integriert die sozialen Kompetenzen in einem gemeinsamen Rahmen.

Quelle: Süß, H.-M, Weis, S. & Seidel, K. (2005). Soziale Kompetenzen. In H. Weber &Th. Rammsayer (Hrsg.),Psychologie Göttingen: Hogrefe.Handbuch der Persönlichkeitspsychologie und Differentiellen(Reihe Handbuch der Psychologie). (S. 350-361).

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