Kreativität als Modebegriff

Vor 100 Jahren war der Begriff noch völlig unbekannt. Dafür ist es heute ein Modewort. Jeder will kreativ sein. Wir alle haben schon Erfahrungen mit Kreativität gemacht.

Nichtsdestotrotz ist Kreativität ein umstrittenes Konzept.

Kreative Prozesse sollen kreative Produkte hervorbringen. Am Ergebnis erkennt man, ob ein Denk- und Gestaltungsprozess als kreativ und erfolgreich angesehen werden.

Für diese Prozesse sind zunächst mal Merkmale der Person ausschlaggebend. Einen Einfluss üben auch kreativitätsfördernde oder kreativitätshemmende Umweltprozesse.

Die Beurteilung der Kreativität hängt von der Neuartigkeit, Angemessenheit und sozialen Akzeptanz ab. Dadurch wird auch deutlich, dass Kreativität ein gesellschaftliches Konstrukt ist.

Die Kennzeichnung „kreativ“ kann sich auf verschiedene Aspekte beziehen: Problem, Prozess, Person, Problemumfeld und Produkt.

Das Problem

Gibt es per se Probleme, die zu kreativen Lösungen führen. Dabei ist nicht allein die formale Struktur eines Problems entscheidend. Auch wenn ein vorgegebener Weg existiert, können elegant-originelle und kreative Lösungen gefunden werden.

Es gibt drei Kennzeichen einer Problemsituation:

–         Problemdruck

–         Fehlende Eindeutigkeit

–         Offenheit für Neues (Neuartige Lösungen müssen grundsätzlich akzeptabel sein)

Der Prozess

Das bekannteste Phasenmodell hierzu geht auf Poincare zurück.

1. Präparation

2. Inkubation

3. Illumination

4. Verifikation

Ein zusammenfassendes Modell stammt von Preiser und Buchholz:

1. Offen auf die Welt zugehen

2. Probleme analysieren und Ziele klären

3. Informationen bereitstellen

4. auf Distanz gehen (Positive Wirkungen einer Distanzphase sind empirisch nachweisbar)

5. Einfälle entwickeln

6. Ideen bewerten und Auswählen

7. Ideen verwirklichen

Gerät man bei einer Phase in einer Sackgasse, werden frühere Schritte wiederholt, das Problem neu definiert oder Informationen neu gesammelt.

Das Produkt

Damit eine Idee, eine Leistung als kreativ gelten kann, muss die bereits genannten Kriterien erfüllen: Neuartigkeit, Angemessenheit und sozialen Akzeptanz.

Die Person

Fachwissen und Fähigkeiten wie Flexibilität begünstigen kreative Prozesse. Weitere günstige Faktoren sind Motive, Interessen, Konflikttoleranz, Persönlichkeitsmerkmale, Denkstile, Strategien etc.

Urban erstellte ein Komponentenmodell. Das dazu gehörige Rahmenmodell nennt er 4-PU-Modell. Darin integrierte er drei kognitive und drei Persönlichkeitskomponenten

(1) divergentes Denken und Handeln

(2) allgemeines Wissen und Denkfähigkeit

(3) bereichsspezifisches Wissen und spezifische Fähigkeiten

(4) Fokussierung und Anstrengungsbereitschaft

(5) Motive und Motivation

(6) Offenheit und Ambiguitätstoleranz

Zusätzlich unterteilt er es in drei Dimensionen: A (Individuelle Dimension), B (Gruppen- oder nah-umwelt-bezogene Dimension), C(Gesellschaftliche oder historische oder globale Dimension).

Wenn man die Person mithilfe von Persönlichkeitsmerkmalen beschreiben müsste, dann bieten sich folgende drei Merkmale an: Neugier, Konflikt- und Frustrationstoleranz, Unabhängigkeit.

Kreativität, Leistung und Intelligenz

Die Beziehungen zwischen Intelligenz und Kreativität sind nicht eindeutig geklärt. Seit den 60ern gab es diverse Kontroversen. Eine kleine Zusammenfassung:

1. Verschiedene Kreativitätstests korrelieren wenig miteinander. Dafür korrelieren sie höher mit Intelligenztests

2. die Höhe der Korrelation mit den Intelligenztests hängt von der Auswahl des Tests ab. Bei Messung gleicher Faktoren (wie z.B. Wortflüssigkeit) ergeben sich höhere Korrelationen

3. bei hochintelligenten Personen besteht keine Beziehung zwischen Intelligenz- und Kreativitätswerten. Intelligenz könnte man als notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für Kreativität betrachten

4. Für die Lösung spezifischer Probleme sind spezifische Sachkenntnisse und Fertigkeiten erforderlich

5. Kreativitätstests in einer Leistungsatmosphäre korrelieren höher mit Intelligenztests, als Kreativitätstests, die in spielerischer Umgebung erhoben wurden.

6. Bei durchschnittlich intelligenten Personen hat die Kreativität keinen Einfluss auf die Schulleistungen. Sehr gute Schulleistungen von überdurchschnittlich intelligenten Schülern können dagegen durch überragende Intelligenzen oder durch überragende Kreativität begünstigt werden.

7. Sind die Schulleistungen gleich, zieht die Lehrkraft das hochintelligente Kind dem hochkreativen Kind vor.

Kreative Fähigkeiten

Problemsensibilität, Einfalls- und Denkflüssigkeit (möglichst viele Ideen produzieren), Flexibilität (verschiedene Perspektiven), Originalität (divergentes Produktion), Fähigkeit zur Umstrukturierung (neue Zusammenhänge erstellen), Ausarbeitung (Elaboration: Idee konkretisieren und zu einem realistischen Plan übergehen), Durchdringung (ein Problemgebiet gründlich durchdringen) sind die Fähigkeiten, die kreative Leistungen ermöglichen.

Wahrnehmungs-, Denk- und Problemlösestile

Hierbei handelt es sich um eher unwillkürlich gesteuerte Gewohnheiten der Informationsaufnahme und –verarbeitung.

Dazu zählen: kognitive Komplexität (Bereitschaft vielseitige Informationen zur Kenntnis zu nehmen und zu integrieren), Impulsivität und Reflexivität (spontan reagieren, Fehler zulassen, kritisch hinterfragen), Verfügbarkeit von Funktionen, Offene Denkprinzipien (Erweiterung der Denkspielräume, Verfremden, Analogien)

Problemumfeld

Auch die Rahmenbedingungen sind von Bedeutung. Generell wird Kreativität durch

– kreativitästfordernde Bedingungen

– Abbau von Hemmungen und Blockaden

– Kreativititätstechniken und Methoden

begünstigt.

Beispiele für Kreativitätstechniken sind die Freie Assoziation, die Visualisierung, die Analogien, Verfremdung und Zufallsangregung und die systematische Variation.

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Diagnostik, Persönlichkeit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s