Krimininalität und der Kontext der Community

In einer Studie von Douglas Perkins et al (1990) wurde der Einfluß der räumlichen Umgebung, des sozialen Klimas und der soziodemografischen Daten auf die Kriminalität und die Partizipation in ehrenamtlichen Organisationen untersucht.

Die Daten stammten aus vier Quellen:
– telefonische Umfragen der Einwohner
– Block Environment Inventory (BEI)-Fragebogen
– Polizeidaten zur berichteten Kriminalität
– Mitgliederumfrage bei den ehrenamtlichen Organisationen

Bei den Merkmalen der Community wurden zwischen dauerhaften und vorübergehenden Einflüßen unterschieden. Zu den dauerhaften Einflüßen zählen die räumliche Umgebung und die soziodemografischen Daten. Zu den vorübergehenden Einflüßen zählen instabile Merkmale der räumlichen Umgebung wie Incivilities und das soziale Klima.

Im Modell wird angenommen, dass die Kriminalität von den vier Variablen beeinflußt wird, und dass die Kriminalität auch die vorübergehenden Merkmale beeinflusst.

Bei der stabilen räumlichen Umgebung wird noch zwischen den Makro-Faktoren (wie Straßenverlauf, Anordnung der Gebäude, etc) und den Mikro-Faktoren (reale oder symbolische Barrieren etc.). Auch Oscar Newmans Idee des defensible space spielt hier einer Rolle.

Incivilities sind Anzeichen sozialen Unordnung. Das kann einmal herumliegender Müll sein, Graffiti, Vandalismus, aber auch leerstehende Häuser. Das sind dann eher die baulichen Incivilities. Zu den sozialen Incivilities zählen der Drogenverkauf, Jugendgangs etc.

Dabei spielt Territoriality – als Unterfaktor des defensible space – eine Rolle; das ist in etwas die Idee, dass das eigene Heim heilig ist. Also wenn z.B. der Familienname auf dem Gartentor vermerkt ist, dann könnte dies einem Eindringling den Eindruck vermitteln, dass die Gegend beobachtet wird. Die Grundidee ist, dass defensible space die Möglichkeiten zur natürlichen Beobachtung erhöht und soziale Kontakte erleichtert bzw. fördert, was sich positiv auf die Partizipation in ehrenamtlichen Organisationen auswirken sollte.

Zum sozialen Klima zählen mehrere Faktoren:
– Angst vor Kriminalität
– Probleme der Community
– Sense of Community
– Pflege nachbarschaftlicher Kontakte (neighboring)
– informelle soziale Kontrolle
– Wohnorttzufriedenheit
– Kommunitarismus

Diese Studie wurde in Blocks durchgeführt, in Einheiten also, die kleiner sind als Stadtteile. Ehrenamtliche Organisationen in diesen Blocks sind so etwas wie Selbsthilfegruppen für normale Einwohner. Es wird angenommen, dass die ehrenamtlichen Organisationen sowohl instrumentelle Unterstützung (gesellschaft) als auch emotionale Unterstützung (gemeinschaft) geben können.

Die räumliche Umgebung wurde von Beobachtern bewertet, insbesondere die Aspekte des defensible space, Territoriality und Incivilities.

Hypothesen

Die Partizipation wird vorhergesagt durch:
– höhere demografische Ressourcen
– räumliche Faktoren, die soziale Interaktionen fördern (wie defensible space)
– motivierende Bedingungen wie hohe Kriminalitäts- und Viktimisierungsrate
– höhere soziale Kohäsion innerhalb des Blocks
– Incivilities und Territoriality

Zunächst wurden aufgrund der Kriminalitätsrate und der Anzahl der ehrenamtlichen Organisationen 21 Stadtteile in New York City ausgewählt. Nach Kontaktaufnahme blieben noch 3 Stadtteile übrig, von denen 48 Blocks untersucht wurden.

Ergebnisse

Die Variablen räumliche Umgebung, soziales Klima und die transiente (vorübergehende) räumliche Umgebung erwiesen sich als signifikante Prädiktoren für die kollektive Partizipation in ehrenamtlichen Organisationen. Die soziodemografischen Daten wie Wohndauer, Hausbesitz und Einkommen waren zwar positiv korrelietr mit dem individuellen Level, aber nicht mit dem kollektiven Level der Partizipation.
Das bedeutet, dass auch ärmere und instabilere Communities ein hohes Level der Partizipation aufbauen können, wobei innerhalb einer Community diejenigen mit mehr Ressourcen und Interessen mit größerer Wahrscheinlichkeit teilnehmen werden.
Etwas überraschend fällt der Befund aus, dass weder Kriminialitäts- noch Viktimisierungsraten (und auch die mit Kriminalität verbundenen Aspekte des sozialen Klimas) keinen Zusammenhang zu kollektiver Partizipation aufwiesen.

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Eingeordnet unter Community Psychology, Studien

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