Einfluß der Arbeitszeit auf Gesundheit, Produktivität und Unfälle

Bei langen Arbeitszeiten wird die damit verbundene Beanspruchung häufig nicht kompensiert. Bei vielen Überstunden droht ein höherer Blutdruck, bei Frauen auch höherer Morgen-Cortisolwert. Wenn die Arbeitszeiten entgegen dem Zirkadianrhythmus verlaufen, wird das Problem noch verstärkt. Aufgrund der mangelnden Regeneration von Bandscheiben, kann es zur beschleunigten Bandscheibendegeneration kommen.

Ebenso ist die Schichtarbeit mit einem größeren Risiko gesundheitlicher Risiken (z.B. kardioviskuläre Krankheiten) verbunden. Studien, in denen Schichtarbeiter mit Tagarbeiter verglichen werden, unterschätzen das Risiko für Schichtarbeitende, da sie die positive (Selbst-) Selektion und den Umstand, dass unter den Tagarbeitern auch ehemalige Schichtarbeiter sind, nicht berücksichtigen.

Trotz allem sind die in Metaanalysen gefundene Zusammenhänge ziemlich schwach, da auch Fragen des Arbeitsinhalts, allgemeine Gesundheit, sportliche Betätigung und familiäre Belastungen eine Rolle spielen. Zudem sind teilweise auch positive Wirkungen zu berücksichtigen. So berichte t eine Studie von Rau und Triemer (2004), dass die Arbeitsbedingungen für Personen, die viele Überstunden leisteten, besser waren. Bei Managern werden größere Arbeits-Familien-Konflikte, aber auch größere Arbeitsfreude berichtet. Eine wichtige Rolle spielt dabei, in wieweit die Überstunden freiwillig geleistet werden.

Unter bestimmten Bedingungen können sogar Fehlzeiten als erfolgreiches Coping fungieren, aber nur im Falle von einer kleinen Anzahl von kurzen, selbst verantworteten (und nicht ärztlich bescheinigten) Abwesenheiten. Dagegen war Präsentismus – also die Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz schlechter Gesundheit – mit einem doppelt so hohen Krankheitsrisiko verbunden wie eine mittlere Anzahl von Fehltagen (1-14).

Zusammenfassend kann man sagen, dass Ermüdung und unzureichende Erholung die wichtigsten Mechanismen sind, die für den Zusammenhang von Arbeitszeit und Gesundheit verantwortlch sind.

Lange und unregelmäßige Arbeitszeiten begünstigen auch Unfälle. Schon nach zwei Stunden Arbeit verdoppelt sich das Unfallrisiko. Doch auch Unfälle auf dem Weg bzw. von der Arbeit werden davon ebenfalls beeinflußt. Für Assistenzärzte wurde gefunden, dass sie häufiger auf der Nachhausefahrt einnickten und im Vergleich zur Zeit vor dem Stellenantritt an deutlich mehr Verkehrsunfällen beteiligt waren.

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