Cyber-Flirting

In der Studie von Monica Therese Whitty geht es zunächst um die Definitionen des Flirtens und um ein besseres Verständnis des Flirtens über das Internet. Das Thema wird auch vor dem Hintergrund von Winnicotts Definitionen von „potential space“ und „magic realism“.

Es gibt Definitionen von Downey und Vitulli, die das Flirten einmal auf der Basis existierender loser Beziehungen betrachten und dann noch als Initialhandlung um Eine Botschaft des Interesses zu senden.

Feinberg dagegen, geht davon aus, dass Flirten Sticheleien (teasing) und Kommunikation beinhaltet. Es ist eine Abkürzung, um intim zu werden.

Evolutionspsychologen gehen davon aus, dass Flirten ein universeller grundlegender Instinkt ist.

Geschichte des Flirtens
Vor dem 20 Jahrhundert lief es so ab, dass der Mann um die Frau warb, nachdem sie ihn eingeladen hatte. Die Frauen konnten so ihre häuslichen Fertigkeiten vor den wachsamen Augen der Eltern demonstrieren.

Mongeau glaubt, dass sich die Tradition, wer den ersten Schritt macht, mal in die eine und mal in die andere Richtung ändert.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts übernahmen die Männer die Intitiative. Das lag daran, dass sie für das Date zahlen und die Fahrt organisieren mussten.

Nach Ansicht von Whitty übersieht aber Mongeau eine wichtige Phase des Werbens: das Flirten. Whittys Meinung zufolgen kontrollieren die Frauen in dieser Frühen Werbephase immer noch das Geschehen.

Givens hat ein 5-Stufen-Modell dazu entwickelt.

Flirten Offline
Nach Givens besteht das Flirten hauptsächlich aus nonverbalen Signalen, einem Repertoire an Gesichtsausdrücken und Gesten. Der Vorteil daran ist, dass Körpersignale Anziehung signalisieren können, ohne zu offensichtlich zu sein. Damit schützt man sich vor einer eventuellen Blamage.

Defintion des Cyberspace
Typischerweise wird das Cyberspace – der Begriff wurde in einem Roman von William Gibson zum ersten Mal verwendet – als ein Ort der körperlosen Kommunikation dargestellt. Allerdings könnte man den Cyberspace auch anders betrachten.

Zum Beispiel hat der Körper bei Telefongesprächen schon eine Bedeutung. Anhand von übermittelten Informationen kann der Körper, wenn nötig rekonstruiert werden.

Flirten Online
Der Körper kann durch den Text repräsentiert werden. Durch Beschreibung entsteht ein erster Eindruck, wie attraktiv man ist. Emoticons können non-verbale Signale beschreiben. Paraverbale Signale sind allerdings eher nicht vorhanden, es sei denn, man benutzt eine Webcam.

Cyber-Flirting kann als eine Art Spiel angesehen werden. In dem Fall, ein Spiel für Erwachsene. Psychoanalytisch gesehen gibt es eine Grenze zwischen dem Spiel und dem normalen Leben.

Nach Winnicott ist das Spiel eine wichtige Aktivität während des Erwachsenendaseins. Argumentativ auf der gleichen Linie wie Freud behauptete Winnicott, dass das Spiel irgendwo zwischen der Realität und dem Selbst stattfand. Das „potential space“ ist zunächst das hypothetische Gebiet zwischen der Mutter und dem Kleinkind. Später kann das Kind oder der Erwachsene diesen „potential space“ selbst erschaffen.
Nach Winnicott ist das „potential space“ der Ort, wo das Spiel stattfindet und Kreativität ermöglicht wird. Es liegt außerhalb des Individuums, aber es ist kein Teil der externen Welt. Es ist weder pure Fantasie noch Realität. In diesem Ort werden die Bedeutungen und das Selbst kontinuierlich kreiert und re-kreiert. Nur die Kreativität ermöglicht, dass das Individuum das eigene Selbst entdeckt. Daher ist nach Winnicott das Spiel zentral für das individuelle Wachstum.

Aus der Sicht von Whitty kann das Cyberspace als ein „potential space“ angesehen werden. Dort können die Menschen so sein, wie sie wollen. Dazu passen Studienergebnisse die ergaben, dass vor allem Männern online einen Geschlechterwechsel ausprobieren. Online kann man eben mit verschiedenen Identitäten (inklusive der körperlichen) spielen.

Der Term „transitional objects“ wurde ebenfalls von Winnicott geprägt. Beim Kleinkind könnte der geliebte Teddybär das „transitional object“ sein. Im Rahmen des Cyber-Flirting könnte das die Hardware, sprich der PC o.Ä., sein. Wenn die Bindung zu groß wird, kann aus dem transitional object ein Fetish werden.

Magic realism
Wie das „potential space“ kombiniert „magic realism“ fantastische und realistische Elemente miteinander. Dies erlaubt das Spielen mit einem möglichen oder sogar einem idealen Selbst. Der Körper spielt weiterhin eine Rolle mit dem Unterschied, dass er online frei kreiert werden kann.

Whitty, M.T. 2003. Cyber-flirting Playing at Love in the Internet. Theory and Psychology, 13, 339-357.

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