Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung

Das BIP – Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung – ist ein von Hossiep und Pasche Wottawa entwickeltes psychologisches Testverfahren, um berufsbezogene  Eigenschaften zu messen.

Die Hauptkategorien des BIP sind die berufliche Orientierung (Leistungsmotivation, Gestaltungsmotivation und Führungsmotivation), das Arbeitsverhalten (Gewissenhaftigkeit, Flexibilität und Handlungsorientierung), die sozialen Kompetenzen (Sensitivität, Kontaktfähigkeit, Soziabilität, Teamorientierung und Durchsetzungsstärke) und die psychische Konstitution (Emotionale Stabilität, Belastbarkeit und Selbstbewusstsein). In den Klammern finden sich die jeweiligen Unterskalen.

Auf der einen Seite sind einige Subskalen durchaus gut konstruiert. Das betrifft vor allem einige altbekannte psychologische Konstrukte der Leistungs- und Machtmotivation sowie die Handlungsorientierung. Auch ist die Operationalisierung der NEO-nahen Konstrukte wie Gewissenhaftigkeit, Flexibilität (vgl. Offenheit im NEO-PI-R), Kontaktfähigkeit (vgl. Extraversion im NEO-PI-R), Soziabilität (vgl. Verträglichkeit im NEO-PI-R) und Emotionale Stabilität (vgl. Neurotizismus im NEO-PI-R) äußerst gut gelungen.

Besonders schlecht sind dagegen die Skalen der Durchsetzungsstärke (korreliert etwa .65 mit den Motivskalen), Belastbarkeit und Selbstbewusstsein (beide korrelieren überdurchschnittlich hoch mit der emotionalen Stabilität). Der Zusatznutzen bzw. die Aussagekraft dieser Skalen scheint daher höchst fragwürdig.

Der BIP weist leider weitere Makel auf. Der Zusammenhang mit einem harten Kriterium wie die Fremdbeurteilung der Leistung durch einen Vorgesetzten wird nicht erhoben. Weiterhin weist das BIP so gut wie keine Zusammenhänge mit Schul- oder Studienleistungen, was ein weiteres Fragezeichen bezüglich der Validität des BIP aufwirft.

Allerdings ist das BIP in vielerlei Hinsicht besser konstruiert als vergleichbare andere Tests. Daher kann es sich lohnen mit diesem Test zu arbeiten. Damit harte Entscheidungen zu treffen, erscheint aber zumindest gewagt.

Quelle: Marcus, B. (2004). Rezension der 2. Auflage des Bochumer Inventars zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (BIP) von R. Hossiep und M. Paschen. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 48, 79-86.

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2 Kommentare

Eingeordnet unter AO Psychologie, Diagnostik, Fragebögen

2 Antworten zu “Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung

  1. Wipsy

    Ein paar spontane Anmerkungen zum BIP-Artikel:

    Die Testautoren sind Hossiep und Paschen (Herr Wottawa ist nicht Autor des BIP).

    Die Bewertung der Skalen zu Durchsetzungsstärke, Belastbarkeit und Selbstbewusstsein als „besonders schlecht“ kommt mir willkürlich vor. Zwar gibt es teilweise hohe Interkorrelationen mit anderen Skalen, es gibt aber auch auf der anderen Seite viele Indizien dafür, dass die Erhebung dieser Konstrukte im Rahmen einer umfassenden berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung sehr sinnvoll ist. Hier lohnt sich ein Blick auf die inhaltlichen Konzeptualisierungen und die Skalen- und Itemkennwerte (Reliabilität, Trennschärfen etc.). Zu finden im Testhandbuch:

    Hossiep, R. & Paschen, M. (2003). Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

    Dann kann jeder selbst entscheiden, ob er den Einsatz dieser Skalen als sinnvoll einschätzt.

    Zu den Zusammenhängen (Korrelationen) mit Maßen für Studienverlauf und Berufsplanung sei ebenfalls auf das entsprechende Kapitel im Testhandbuch verwiesen. Das Ziel der Entwicklung des BIP war meines Wissens auch nicht, Studienleistungen vorherzusagen sondern ein detailliertes berufsbezogenes Persönlichkeitsverfahren für berufstätige Fach- und Führungskräfte zu liefern.

    „Harte Entscheidungen“ allein aufgrund des BIP-Ergebnisses bzw. BIP-Profils zu treffen ist selbstverständlich nicht zu empfehlen (die Autoren tun dies auch nicht). Das BIP kann allerdings für viele berufliche Fragestellungen wichtige diagnostische Informationen liefern, die bei bestimmten Entscheidungen mit berücksichtigt werden können.

    Die unten genannte Rezension von Marcus (2004) ist m. E. eine brauchbare Quelle, wenn es um die Beurteilung des BIP geht, der Artikel oben weniger.

  2. „Die Bewertung der Skalen zu Durchsetzungsstärke, Belastbarkeit und Selbstbewusstsein als „besonders schlecht“ kommt mir willkürlich vor. …
    Dann kann jeder selbst entscheiden, ob er den Einsatz dieser Skalen als sinnvoll einschätzt.“

    Wenn die Konstrukte so hoch miteinander korrelieren, dann ist deren Erhebung bestenfalls redundant. Bei einer so hohen Interkorrelation kann man nicht davon ausgehen, dass es zwei verschiedene Konstrukte sind.

    Dass das natürlich jeder selbst entscheiden kann, ist klar. Jeder kann auch Grafologie oder Astrologie einsetzen. Wenn ich sage, dass es schlecht ist, kann es trotzdem eingesetzt werden.

    Das mit Wottawa stimmt. Hossiep und Paschen sind die Autoren.

    „Das Ziel der Entwicklung des BIP war meines Wissens auch nicht, Studienleistungen vorherzusagen sondern ein detailliertes berufsbezogenes Persönlichkeitsverfahren für berufstätige Fach- und Führungskräfte zu liefern.“

    Nö, das Ziel ist anscheinend, Null-Korrelationen mit Studienleistungen als Validitätsbeweis anzuführen. Das ist ein bisschen schwach.

    „Das BIP kann allerdings für viele berufliche Fragestellungen wichtige diagnostische Informationen liefern, die bei bestimmten Entscheidungen mit berücksichtigt werden können.“

    Das kann schon sein. Es kann aber auch sein, dass es für jeden Anwendungsfall eine genauso gute oder bessere Alternative gibt!?

    „Die unten genannte Rezension von Marcus (2004) ist m. E. eine brauchbare Quelle, wenn es um die Beurteilung des BIP geht, der Artikel oben weniger.“
    Klar, so sollte es auch sein 🙂

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