Drum prüfe wer sich bindet, ob sich nicht was Besseres findet

Wenn ein Bewerber auf Arbeitssuche geht, dann ist das nicht allein ein einseitiger Prozess. Zwar bestimmt das Unternehmen in erster Linie, welche Bewerber für geeignet gehalten werden, aber auch der Bewerber an sich hat prinzipiell die Möglichkeit, zu einem Stellenangebot ‚Nein‘ zu sagen. Das ist auch keine Seltenheit. Gerade gut qualifizierte Bewerber haben oftmals die Wahl zwischen mehreren Stellenangeboten unterschiedlicher Unternehmen.

An dieser Stelle treten nun Firmen wie Great Place To Work, Top Job, Top Arbeitgeber und weitere. Sie agieren als Anpreiser der jeweiligen Firma. Das Prinzip funktioniert so, dass man als ein Unternehmen eine der genannten Firmen beauftragen kann, eine Art Zufriedenheitscheck unter den Mitarbeitern durchzuführen. Dies lassen sich die Unternehmen auch etwas kosten. 

Das Ergebnis entscheidet dann über die Reihenfolge der Unternehmen. Doch die genaue Reihenfolge ist für einen Bewerber nicht ersichtlich. Meistens kann man die ersten drei oder fünf Plätze an der Spitze sehen. Die weiteren Unternehmen sind nicht geordnet. Auf diese Weise wird verschleiert, welche Unternehmen schlechter oder am schlechtesten abgeschnitten haben.

Das ist auch kein Wunder. Da da Ganze etwas kostet, würden es die Auftraggeber niemals hinnehmen, wenn ihre Marke als Arbeitgeber beschädigt werden würde. Daher verteilen die Firmen auch Zertifikate für gute Unternehmen. Das Ausmaß der Selektion variiert dabei von Wettbewerb zu Wettbewerb stark. Spiegel-Online schreibt dazu:

Bei „Great Place to Work“, dem größten deutschen Wettbewerb, waren es 2011 immerhin 290 Bewerber, somit wurde im Schnitt jeder Dritte zertifiziert. Beim „Top Arbeitgeber“-Wettbewerb hingegen bekamen in den Jahren 2010 und 2011 alle 93 oder 101 Teilnehmer das Zertifikat. Das kann für das hohe Niveau der Bewerbungen sprechen, lässt aber eher Zweifel an der Methode aufkommen.

Wenn bei „Top Arbeitgeber“ tatsächlich alle Teilnehmer ein Zertifikat erhalten haben sollten, dann ist die Güte des Zertifikats eventuell zweifelhaft. Anhand der Zahlen wäre dann erkennbar, dass der „Top Arbeitgeber“-Wettbewerb überhaupt nicht zwischen guten und schlechten Teilnehmern unterscheiden kann. Dadurch ist die Aussagekraft für potentielle Bewerber deutlich eingeschränkt. Die bei „Great Place to Work“ zertifizierten, können sich immerhin zu dem oberen Drittel der Teilnehmer zählen.

Doch das allein ist nicht unbedingt entscheidend. Die Messverfahren unterscheiden sich ebenfalls. Als Bewerber weiß man nicht, ob die Mitarbeiter z.B. nach der Zufriedenheit mit ihrem Gehalt gefragt wurden. Das wäre aber gerade für potentiell neue Arbeitnehmer sehr interessant. Zudem verrät das Ergebnis der Umfrage nicht, ob es Unterschiede im Klima zwischen einzelnen Abteilungen des gleichen Unternehmens gibt. Zwar ist das Unternehmensklima ein wichtiger Faktor, das Teamklima in der jeweiligen Abteilung kann aber auch einen entscheidenden (positiven oder negativen) Einfluss auf die Arbeit in dieser Abteilung haben.

Die Teilnahme an solchen Wettbewerb sollte aber zumindest prinzipiell positiv beurteilt werden. Es zeigt zumindest, dass unternehmensseitig eine gewisse Sensibilität für die Wichtigkeit des Themas vorhanden ist. Als Bewerber sollte man aber die Aussagekraft der Befragungen nicht zu stark gewichten, da dabei Eigenmarketingfaktoren eine sehr große Rolle spielen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter AO Psychologie, Personalauswahl

Eine Antwort zu “Drum prüfe wer sich bindet, ob sich nicht was Besseres findet

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