Noch ein Jahr im Knast

Stellen Sie sich vor, sie sitzen im Gefängnis, weil sie eine zehnjährige Haftstrafe verbüßen. Am Ende des neunten Jahres kommen Sie auf eine geniale Idee, wie sie entkommen können, ohne dass jemand zu Schaden kommt. Sie haben auch schon den perfekten Plan, wie sie danach untertauchen können. Es ist also nicht zu befürchten, dass sie nach dem Ausbruch geschnappt werden. Wie würden Sie sich entscheiden: Ausbrechen oder das eine Jahr noch absitzen?b) Wie würden Sie sich entscheiden, wenn Sie eine lebenslange Haftstrafe absitzen müssten?

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4 Kommentare

Eingeordnet unter Entscheidungsfindung, Vorhersagen

4 Antworten zu “Noch ein Jahr im Knast

  1. GoodQuestion

    Gute Frage – da ich ein ziemlich ungeduldiger Mensch bin, würde ich vermutlich sogar im Fall A ausbrechen und dann die ganze Zeit in Sorge leben, doch noch irgendwie geschnappt zu werden. Cleverer wäre also, das letzte Jahr noch abzusitzen und dann wirklich frei zu sein – ohne Verfolgungswahn. Im Fall b (lebenslänglich) – ich bin ehrlich – würde ich meinen „genialen“ Plan vermutlich sofort in die Tat umsetzen – vor allem, weil ich in dem Fall ja offensichtlich ein ziemlich verruchter Krimineller bin 🙂

  2. Paul

    Natürlich würde ich ausbrechen, denn der Plan ist genial und geniale Pläne gelingen immer und es ist rational derartige Pläne zu realisieren, vor allem dann, wenn niemand geschädigt wird. Irrational wäre es, die neun verlorenen Jahre im Knast gegen das eine noch verbleibende Jahr zu verrechnen. Der Verlust an Lebenszeit ist irreversibel und also ist ein Jahr mehr in Freiheit, klar, die bessere Alternative. Ein weiteres Jahr im Knast würde weitere aus meiner Sicht irreversible Kosten verursachen. Im Falle einer lebenslangen Haftstrafe würde ich, um in der Logik zu bleiben, identisch entscheiden, ergo auch den genialen Plan befolgen.

  3. GoodQuestion

    Du hast Recht, die neun verlorenen Jahre mit einzubeziehen in die Rechnung macht keinen Sinn – sie sind weg. Allerdings hast du nach den zehn Jahren ja sicherlich noch eine ganze Reihe Lebensjahre in Freiheit zu erwarten – sagen wir, der Gefangene ist inzwischen 50 Jahre alt, dann kann er immer noch an die 30, 40 Jahre leben. Wenn er nun ein Jahr vor Ablauf der Haftstrafe ausbricht, addiert sich zu dieser Lebenszeit in Freiheit nur ein einziges Jahr – sagen wir, statt 30 Jahren hat er dann noch 31 Jahre in Freiheit. Da er ausgebrochen ist, hat er aber womöglich nun 31 Jahre lang Angst, geschnappt zu werden. Denn auch wenn ein Plan genial ist – gegen solche Angst kann man sich sicherlich nur wappnen, wenn man sehr sehr abgebrüht ist. Wenn er das eine Jahr im Gefängnis noch wartet, kann er die restlichen 30 Jahre dagegen in aller Ruhe genießen.

  4. Paul

    Ja, ich stimme Dir weitgehend zu. Ein gewisse Disposition in Richtung Abgebrühtheit gehört schon dazu. Allerdings ist Dein Argument hypothetisch und ziemlich weit Weg vom Szenario, denn wir wissen nichts über die noch anstehende Lebenserwartung und wären sehr darauf angewiesen unter Unsicherheit zu entscheiden. Auch wissen wir in dem Szenario nichts über Angst, denn ein Leben im Untergrund, impliziert nicht notwendig ein Leben in Angst. Es gibt sicherlich viele gute statistische Gründe von den Lebenserwartungsprognosen in dem Argument auszugehen, aber diese Prognosen sind letztlich ungewiss, da projektiv auf Zukünftiges gerichtet. Unter Ungewissheit würde ich immer eine pessimistische Strategie wählen und die zu erwartenden Minima maximieren. Und das beste erwartbare Minimum aus dem Beispiel ist es, das eine Jahr in Freiheit zu verbringen und es nicht auch noch zu vergeuden 🙂 Jedes weitere Jahr in Freiheit, würde diesen Wert ansteigen lassen, eben maximieren. Ich sehe allerdings ein, dass es schwierig ist, die an der Rationalität orientierte Argumentation durchzuhalten, weil sie „etwas“ lebensfern ist und mir meine Intuition etwas anderes sagt.

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