Das RIASEC-Modell beruflicher Interessen

Desöfteren habe ich schon über Interessentests gebloggt. Dabei habe ich mich nicht wenige Male auf das RIASEC-Modell berufen, ohne es etwas länger zu erklären. Dem möchte ich nun zumindest ein wenig nachkommen.

Das RIASEC-Modell gehört zu den Theorien beruflicher Interessen, die von einer Person-Umwelt-Passung (eine erweiterte Konzeptione früherer trait-and-factor-Modelle) ausgehen. Demnach streben Menschen Berufe an, die zu ihnen passen, aber auch Organisationen/Teams suchen sich Menschen aus, die zu der Umwelt passen. Das Ganze führt dazu, dass Kollegen innerhalb einer Abteilung sich ähnlicher sind als Mitarbeiter unterschiedlicher Abteilungen. Bei einer guten Passung wird davon ausgegangen, dass sich das positiv auf Leistung, Verweildauer im Unternehmen, Arbeitszufriedenheit etc. auswirkt.

Sechs unterschiedliche Interessengebieten dienen der Beschreibung der Interessen von Personen und der Struktur der Umwelten: R (realistic: handwerklich-technische Interessen), I (investigativE: forschende-intellektuelle Interessen), A (artistic: künstlerische Interessen), S (social: soziale Interessen), E (enterprising: kaufmännisch-unternehmerische Interessen) und C (conventional: konventonelle, verwaltenden Interessen). Daraus lassen sich unterschiedliche Typen ableiten. Ein IA-Typ hat starke intellektuelle und künstlerische Interessen, ein SEC-Typ hat starke soziale, unternehmerische und konventionelle Interessen etc. Entsprechend lassen sich auch die Umwelten typisieren.

Zur Bestimmung dieses Fits bietet das RIASEC-Modell vier Methoden an: Kongruenz, Differenziertheit, Konsistenz und Identität. Hinter dem Konzept der Kongruenz verbirgt sich die schlichte Passung zwischen der Person und der Umwelt. Bei der Differenziertheit geht es um die Differenzierung zwischen den einzelnen Gebieten. Die Differenziertheit ist vor allem dann hoch ausgeprägt, wenn sehr deutlich wird, was von großem und was von keinem Interesse ist. Bei der Konsistenz geht es darum, ob sich die Interessengebiete nahe stehen. So ist der Interessentyp RI sehr konsistent, da die beiden Interessengebiete benachbart sind. Der Interessentyp RAE ist hingegen wenig konsistent, da der handwerkliche-technische Bereich nicht in direkter Nachbarschaft zum künstlerischen oder unternehmerischen Interessenbereich liegt. Das Konzept der Identität betrifft die Klarheit und Stabilität der Interessen. Würden sich der Interessentyp bei einer Person alle zwei Monate ändern, dann wäre dies Identität bei der Person wenig ausgeprägt, da sich die beruflichen Interessen ständig ändern würden.

Beim Modell lässt sich kritisieren, dass es grob vereinfachend ist, wenn man die Anzahl von über 500 Ausbildungsberufen und über 2000 Studiengängen betrachtet. Allerdings kann es durchaus für eine erste grobe Orientierung nützlich sein. Fraglich ist, ob es auch hilfreich ist, wenn die Personen, bei denen dieses Modell eingesetzt wird, bereits eine ungefähre Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft haben. Jedoch kann auch hier das Modell zur zusätzlichen Bestätigung oder Infragestellung der bisherigen Ideen dienen.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Berufsberatung

Eine Antwort zu “Das RIASEC-Modell beruflicher Interessen

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