Faktoren mit denen sich Erfolg im Beruf vorhersagen lässt

Zur Prognose des beruflichen Erfolgs werden Vorstellungsgespräche, Assessment Center, Arbeitsproben, Fragebögen, Tests etc. durchgeführt. Die Liste ließe sich noch mit weiteren Methoden wie graphologische Gutachten, Analyse des Lebenslaufes, Analyse der Arbeitszeugnisse usw. ergänzen.

Diese Faktoren können den beruflichen Erfolg in unterschiedlicher Art und Weise vorhersagen. Zunächst sollte man sich fragen, was Erfolg im Beruf überhaupt bedeutet. Dies kann unterschiedliches bedeuten:

  1. wie gut man die Arbeit erledigt
  2. wie viel Geld man durch die Arbeit verdient (Einkommen)
  3. welche Position man erreicht hat (Beförderung)
  4. wie zufrieden ist man mit dem eigenen Berufserfolg (Arbeits- oder Karrierezufriedenheit)

Persönlichkeitseigenschaften

Studien belegen, dass Gewissenhaftigkeit für verschiedene Berufsgruppen und verschiedene Kriterien des Berufserfolgs die höchste Prognosegüte aufweist (r= ca.25, korrigierte Validität). Dahinter stecken Persönlichkeitsfacetten wie Ordnungsliebe, Leistungsstreben, Selbstdisziplin, Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein, die sich natürlich positiv auf den Erfolg im Beruf auswirken.

Als zweite Persönlichkeitseigenschaft mit allgemeiner prognostischer Güte erweist sich die Emotionale Stabilität (r= ca. .13). Bei den anderen Persönlichkeitseigenschaften, die man zu den Big Five zählen kann wie Extraversion, Verträglichkeit und Offenheit kann man keine generelle Zahl nennen, da die Vorhersagegüte von der Berufsgruppen und/oder vom gewählten Erfolgskriterium abhängt.

Es gibt allerdings auch COPS (Criterion-Focused Occupational Personality Scales), die valide Methoden sind um den Erfolg im Beruf vorherzusagen:

  • Kundenorientierung (r=ca. .40)
  • Gewalt- und Aggressionsbereitschaft (r=ca. .40)
  • Stresstoleranz (r=ca. .40)
  • Integrity Tests (r=ca. .35)

Kognitive Fähigkeiten

In der umfangreichen Studie von Hunter und Hunter (1984) ergaben sich starke Zusammenhänge zwischen Intelligenz und berufliche Leistung sowie Trainingserfolg (ca. r=.50 bzw. ca. r=.55). Weitere Meta-Analysen bestätigten diese Ergebnisse für viele Situationen und Berufsgruppen.

Salgado, Anderson, Moscose, Bertua und de Fruyt (2003) führten eine Meta-Analyse mit europäischen Stichproben durch, da die Meta-Analyse von Hunter und Hunter (1984) vornehmlich auf Stichproben aus den USA basierten. Hier ergaben sich ähnliche Werte für die Vorhersagegüte von Intelligenz für Berufserfolg (r=ca. .62) und für Trainingserfolg (r=ca. .54).

Es gibt aber durchaus Unterscheidungsmöglichkeiten. So ist die Vorhersagegüte für komplexere Berufe höher als für einfachere Berufe. Dies hängt damit zusammen, dass bei einer größeren Komplexität der Aufgabenschwierigkeit die kognitiven Fähigkeiten einen größeren Einfluss auf den Erfolg bei der Aufgabenbearbeitung haben. Intelligenz ist also ein guter Prädiktor beruflicher Leistung generell und ein noch besserer für komplexe Berufe.

Grundsätzlich gibt es auch Erfolgskriterien, die sich mit Intelligenz schlechter vorhersagen lassen. Dazu zählt bspw. der Führungserfolg (r=ca. .27 nach der Studie von Judge, Colbert & Ilies, 2004), die wahrgenommene Führungseffektivität (r=ca. .17, nach der obigen Studie von Judge et. al (2004)). Auch die im Beruf gezeigte Kreativität (r=ca. .35, nach der Studie von Kuncel, Hezlett & Ones, 2004) konnte nur moderat gut prognostiziert werden.

Befundlage in Deutschland

Hülsheger, Maier und Stumpp (2007) haben den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Erfolg im Beruf (als berufliche Leistung und Ausbildungserfolg) metaanalytisch in Deutschland untersucht. Berufliche Leistung (r=.54) und Ausbildungserfolg (r=.47) konnten auch in deutschen Stichproben gut durch Intelligenz prognostisch eingeschätzt werden. Das Wissen über den Zusammenhang zwischen Intelligenz und Erfolg im Beruf ist daher in gleicher Weise in Deutschland und in der westlichen Welt anwendbar.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter AO Psychologie, Diagnostik, Entscheidungsfindung, Personalauswahl, Personalentwicklung

Eine Antwort zu “Faktoren mit denen sich Erfolg im Beruf vorhersagen lässt

  1. Pingback: Ausbildungserfolg: Bessere Prognose durch einen Leistungstest oder ein Interview? | Psychoblogie für Anfänger

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