Wenn Mitarbeiter sich ungeliebt fühlen

Konflikte auf dem Arbeitsplatz sind nicht selten. Es ist gut, wenn sie offen und sachlich ausgetragen werden.

Häufig ist jedoch ein Konflikt unterschwellig und eine Seite weiß gar nicht, dass sie an einem Konflikt beteiligt ist. Das ist kompliziert, da so ein Konflikt nicht offen ausgetragen werden kann. 

Der Fall R.R. zeigt dies anschaulich. R.R. (40 Jahre) war schon seit dreieinhalb Jahren in einem Unternehmen tätig. Er war in einer kleinen Abteilung tätig, die sich um besondere Projekte kümmerte. Die Einarbeitungszeit war lang, da sich die Projekte stark voneinander unterschieden.

Mittlerweile fühlte er sich sehr gut eingearbeitet und saß fest im Sattel. Nun wurde eine Mitarbeiterin eingearbeitet. Die Einarbeitung erfolgte ungefähr doppelt so schnell wie noch bei R.R.

R.R. äußerte seine Zweifel gegenüber einer anderen Kollegin, die seine Sicht der Dinge teilte. Er stellte auch fest, dass die neue Mitarbeiterin recht regelmäßig kleinere Fehler machte, die R.R. ohne viel zu sagen ausbügelte. Er fühlte sich als eine Art Senior-Mitarbeiter, der gerne die Verantwortung übernahm und über den Tellerrand blickte.

Dann stellte er fest, dass die neue Kollegin interessante Projekte zugewiesen bekam. R.R. musste viel Staub fressen, ehe er solche Projekte bekommen hatte. Eines Tages bekam er mit, dass die neue Kollegin die private Nummer seines Chefs hatte. Er war vier Mal so lange in der Abteilung und hatte diese Nummer nicht. Schließlich erfuhr er, dass die neue Kollegin zu privaten Mitarbeiter-Treffen mit dem Chef eingeladen wurde. Bis dato hatte R.R. so eine Einladung noch nicht erhalten.

Langsam wuchst der Frust. Er war doch einer der kompetentesten Mitarbeiter und doch wurde er vernachlässigt. Oder er fühlte sich zumindest so.

Bei der Arbeit fielen ihm wieder Fehler der Kollegin auf. Dieses Mal korrigierte er sie nicht. Er sagte auch nicht der Kollegin Bescheid. Er sagte niemanden Bescheid.

Stattdessen ließ sich R.R. beraten. Sein Plan war, seine Arbeit nach wie vor gut zu erledigen, jedoch nicht mehr nach links und rechts zu schauen, um eventuell die Fehler der anderen zu beseitigen.

Er spürte seinen Frust und nahm diesen als störendes Element war. Er fürchtete, das nächste Mal gereizt zu reagieren, wenn ihm sein Chef um etwas bat. Es war ihm klar, dass er das nicht machen sollte. Doch was sollte er machen?

Es gibt natürlich keine einfache Lösung und keine deutliche Richtung, in die sich R.R. bewegen könnte. Jeder Ratschlag sollte sorgfältig abgewogen werden.

Zunächst muss man R.R. deutlich machen, dass nur er diesen Konflikt wahrnimmt. Er ist wie ein Soldat in einem einseitigen Krieg. Er darf seine inneren Aggressionen nicht offen zeigen, denn diese würden alle überraschen und irrational wirken. Er darf auch nicht wie jemand wirken, der den Krieg beginnt.

R.R. muss hinnehmen, dass er eventuell nicht als Gewinner hervorgehen wird. Die neue Kollegin hat Boden gut gemacht in einer Art und Weise, die es R.R. schwer machen wird aufzuholen. Denn obwohl sie nicht so gut wie R.R. arbeitet, wird ihre Kompetenz und ihre Persönlichkeit derart geschätzt, dass die gute Arbeit von R.R. dagegen in den Schatten gestellt wird.

Noch besser zu arbeiten, würde R.R. nicht unbedingt näher ans Ziel bringen! Aber was ist überhaupt sein Ziel? Nun, er hätte gerne mehr und enger mit dem Chef gearbeitet und ihn gerne direkt unterstützt. Diese Rolle scheint jedoch immer mehr und mehr seine neue Kollegin einzunehmen. R.R. darf nicht erwarten, dass er sie verdrängen kann. Er darf aber auch nicht, die Qualität seiner Arbeit verringern. Denn das könnte auffallen. So sehr auch die gute Arbeit von R.R. bisher nicht allzu wertgeschätzt wurde, mögliche Fehler oder Qualitätsmängel könnten den negativen Fokus des Chefs ganz schnell auf R.R. richten.

In der unmittelbaren Zukunft sollte R.R. über seinen Frust stehen und die bestmögliche Arbeit abliefern. Unter keinen Umständen sollte er sich zu kurzfristigen offenen oder versteckten Aggressionen oder kontraproduktive Verhaltensweisen verleiten lassen. Dabei sollte er nach Möglichkeiten suchen, positiv auf sich aufmerksam zu machen. Dies sollte jedoch in keinster Weise als konkurrenzgetriebenes Opportunitätshandeln verstanden werden.

Mittelfristig sollte R.R. seinen Status und seine Zufriedenheit wieder evaluieren. Sollte er immer noch unter den Gegebenheiten leiden, kämen andere Aufgaben in anderen Abteilungen oder letztendlich auch in anderen Unternehmen in Frage.

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